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Führung

Kritik äußern, ohne zu verletzen: Formulierungen für schwierige Mitarbeitergespräche

Kritik verletzt oft nicht wegen des Themas. Sie verletzt, weil aus einer Sache über die Arbeit ein Urteil über den Menschen wird.

Das schwierigste Gespräch im Arbeitsalltag ist selten das große. Es ist das kleine: jemandem sagen, dass etwas nicht passt, ohne dass die Stimmung für die nächsten Wochen dahin ist. In dreißig Jahren Personalsuche habe ich viele Führungskräfte erlebt, die sich genau davor drücken. Nicht, weil ihnen der Mut fehlt. Sie wissen ganz genau, was sie stört. Was fehlt, ist die Idee, wie man es sagt, ohne dass es kracht. Und solange diese Idee fehlt, schweigt man lieber, bis sich der Ärger anstaut und irgendwann doch herausbricht, meist im falschen Ton. Genau dafür zeige ich Ihnen hier ein einfaches Muster, das sich auf fast jede Situation übertragen lässt. Wie Sie Feedback-, Jahres- und Entwicklungsgespräche vorbereiten, führen und nachhalten, steht ausführlich in meinem Leitfaden „Mitarbeitergespräche führen”.

Warum gut gemeinte Kritik verletzt

Der Fehler passiert fast nie in der Absicht, sondern im ersten Satz. „Sie sind unpünktlich.” „Man muss Ihnen alles dreimal sagen.” „Sie können einfach keine Kritik annehmen.” Solche Sätze fühlen sich an wie eine ehrliche Rückmeldung, sind aber ein Urteil über die Person. Und gegen ein Urteil kann man sich nur wehren, nicht darüber reden.

Der Grund liegt darin, dass beim Mitarbeiter etwas ganz anderes ankommt, als Sie sagen wollten. Sie meinen ein einzelnes Verhalten. Gehört wird ein Satz über die ganze Person.

Was Sie sagenWas beim Mitarbeiter ankommtWorum es eigentlich geht
„Sie sind unzuverlässig."„Mit mir stimmt grundsätzlich etwas nicht."Dreimal zu spät in einer Woche.
„Sie sind unfreundlich."„Ich bin als Mensch unangenehm."Ein knapper Ton bei einem genervten Kunden.
„Sie sind zu langsam."„Meine ganze Arbeitsweise ist falsch."Zwei Wochen für einen Bericht, der früher gebraucht wurde.
„Sie können keine Kritik annehmen."„Schon meine Reaktion ist wieder falsch."Einmal sofort erklärt, warum die anderen schuld sind.

Die mittlere Spalte ist der Punkt. Kein Mensch kann etwas mit „ich bin als Mensch unangenehm” anfangen, außer sich schlecht zu fühlen. Mit „vorhin am Telefon klangen Sie knapp” dagegen schon.

Der entscheidende Schritt ist deshalb, vom Etikett zur Situation zu wechseln. „Unzuverlässig” ist ein Charakterurteil. „Diese Woche dreimal zu spät” ist eine Beobachtung. Das eine trifft den Menschen, das andere beschreibt ein Verhalten. Und nur über ein Verhalten lässt sich reden, weil es sich ändern lässt, ohne dass die gesamte Person infrage gestellt wird.

Das Muster, das den Ton macht

Wer Kritik so äußern will, dass sie ankommt statt zu kränken, braucht keine rhetorische Begabung. Er braucht eine Reihenfolge. Immer dieselbe Bewegung, egal um welches Thema es geht.

Wie sage ich das, ohne zu verletzen?

Ein Muster ist das eine. Es im richtigen Moment parat zu haben, das andere. Deshalb hier vier Situationen, die fast jeder kennt, jeweils mit dem Satz, der verletzt, dem Satz, der es besser macht, und dem Kniff dahinter, den Sie auf Ihre eigenen Fälle übertragen können.

Fünfzehn Situationen, die immer wieder vorkommen

Die vier oben sind die häufigsten, aber längst nicht alle. In den meisten Betrieben kehren dieselben Kritikgespräche wieder, und für jedes gibt es eine Formulierung, die klar ist, ohne zu verletzen. Diese fünfzehn Situationen aus dem Arbeitsalltag decken vieles von dem ab, was Führungskräften immer wieder begegnet:

  1. Wiederholte Verspätungen
  2. Aufgaben erst nach mehrfacher Erinnerung
  3. Fehlende Unterstützung im Team
  4. Probleme werden zu spät gemeldet
  5. Unfreundlicher Ton gegenüber Kunden
  6. Gereizte Reaktion auf Kritik
  7. Derselbe Fehler wiederholt sich
  8. Zu langsame Arbeit
  9. Unvollständige Dokumentation
  10. Gute Fachleistung, aber herablassender Umgang
  11. Handy während der Arbeitszeit
  12. „Das ist nicht meine Aufgabe”
  13. Fehler kleinreden statt zugeben
  14. Sagt zu allem Ja, liefert dann nicht
  15. Zieht sich aus Besprechungen zurück

Für alle fünfzehn habe ich die passende Formulierung ausgearbeitet, jede mit dem Kniff dahinter. Sie liegen als Bonus dem Leitfaden „Mitarbeitergespräche führen” bei.

Der wichtigste Satz zum Schluss

Bevor Sie eine dieser Formulierungen übernehmen, ein Hinweis, der mir wichtiger ist als jeder einzelne Satz.

Kritik gut zu äußern ist übrigens nur die eine Hälfte. Die andere ist, überhaupt erst ins Gespräch zu kommen, bevor sich Ärger anstaut. Wie Sie das im Jahresgespräch schaffen, mit Fragen, die den Alltag sichtbar machen, steht in einem eigenen Beitrag: Jahresgespräch mit Mitarbeitern.

Vom einzelnen Satz zum vollständigen Gespräch

Eine gute Formulierung hilft im entscheidenden Moment. Sie ersetzt aber nicht den Rahmen drumherum: wie Sie ein Gespräch vorbereiten, wenn Sie schon ahnen, dass es unangenehm wird. Wie Sie es festhalten, damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt. Und wie Sie nachfassen, ohne dass es sich für den Mitarbeiter nach Mikromanagement anfühlt. Genau dafür habe ich den Leitfaden geschrieben.

Er nimmt sich alle drei Gespräche vor, das Jahres-, das Feedback- und das Entwicklungsgespräch, und führt jedes durch denselben Bogen: vorbereiten, führen, festhalten, vereinbaren, nachfassen. Als Bonus liegen alle fünfzehn Kritik-Situationen mit ihren Formulierungen bei. Und weil ein Leitfaden zum Arbeiten da ist und nicht nur zum Lesen, gehören zu jedem Gespräch ausfüllbare Vorlagen, als PDF zum Ausdrucken und als Word zum Anpassen an Ihren Betrieb.

Häufige Fragen

Wie äußere ich Kritik, ohne zu verletzen? Sprechen Sie über ein Verhalten, nicht über den Menschen. Nicht „Sie sind unzuverlässig”, sondern was Sie konkret beobachtet haben, welche Auswirkung das hatte und was Sie sich stattdessen wünschen. Verletzend wird Kritik fast immer da, wo sie zum Urteil über die Person wird.

Wie beginne ich ein Kritikgespräch mit einem Mitarbeiter? Nicht mit dem Etikett, sondern mit der Beobachtung. Also nicht „Wir müssen über Ihre Einstellung reden”, sondern eine konkrete Situation, die beide kennen: was war, wann war es, was ist dadurch passiert. Eine benennbare Situation lässt sich besprechen. Ein Vorwurf lässt sich nur abwehren.

Was mache ich, wenn der Mitarbeiter die Kritik sofort abwehrt? Abwehr ist normal, Kritik ist erst einmal unangenehm. Beantworten Sie die Abwehr nicht mit einem neuen Vorwurf, sondern bleiben Sie bei der konkreten Situation und fragen Sie nach vorn: „Was brauchen Sie, damit wir solche Dinge künftig ruhiger besprechen können?”

Wie kritisiere ich, ohne dass es persönlich wird? Trennen Sie die Person vom Verhalten. Berücksichtigen Sie nachvollziehbare Gründe, ohne das Verhalten damit zu entschuldigen. Sprechen Sie konkret den einen Punkt an, der nicht passt, und enden Sie mit einer offenen Frage statt mit einem Urteil.


Dieser Beitrag bietet eine praxisnahe Orientierung für Unternehmen und Betriebe und ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung im Einzelfall.